CHEMISCHE KASTRATION BEIM HUND

Chemische Kastration beim Hund

 

 

Kastration - ja oder nein? Ein chemischer Probelauf kann bei der Entscheidung helfen!


Chemische Kastration beim Rüden

 

Die chemische Kastration des Rüden erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Sie erlaubt - richtig durchgeführt - eine "Kastration auf Probe" und verfügt über den unschätzbaren Vorteil, dass sie im Gegensatz zur chirurgischen Kastration vollständig rückgängig gemacht werden kann. Eine chemische Kastration macht somit immer dann Sinn, wenn die Auswirkungen auf einen Hund bzw. insbesondere auf sein Verhalten getestet werden sollen, bevor eine endgültige Entscheidung gefällt wird - also meistens!

 

Die Methode der Wahl zur chemischen Kastration ist das Suprelorin-Implantat. Gelegentlich wird aber auch noch - vor allem aus Kostengründen - das Humanpräparat Androcur angewendet. 

 

 

Suprelorin Implantat (Hormon-Chip)

 

Das Hormon-Implantat ist etwa so gross wie ein Reiskorn und wird mit einer Nadel unter die Haut gesetzt. Dies kann abhängig vom Hund und der gewünschten Implantationsstelle am wachen Tier geschehen - vergleichbar mit dem Einsetzten des Chip zur Registration - oder unter einer leichten Narkose.

 

Suprelorin ist in zwei verschiedenen Grössen verfügbar: 

 

- "Kleines" Implantat: Wirkdauer ca. 6 Monate

- "Grosses" Implantat: Wirkdauer ca. 12 Monate

 

Die genaue Wirkdauer ist von Hund zu Hund unterschiedlich und lässt sich nicht genau vorhersagen. Grundsätzlich gilt aber: Je kleiner der Hund, desto länger wirkt das Implantat. 

Vor allem bei kleinen Rüden, die später noch zur Zucht eingesetzt werden sollen, empfiehlt es sich deshalb, das Implantat sicherheitshalber an einer Stelle zu einzusetzen, an der es im Notfall wieder aufgefunden und entfernt werden könnte. 

 

Nach dem Einsetzen des Implantates kommt es in den ersten 2-4 Wochen zu einem Anstieg des Testosteronspiegels, anschließend sinkt der Spiegel langsam ab. Der anfängliche Anstieg des Testosteronspiegels kann zur Verschlechterung von Verhaltensproblemen (z.b. bei Hypersexualität) führen. Dies kann - falls nötig - mit Androcur in der kurzwirksamen Form (Tabletten) überbrückt werden. 

 

Für das Medikament Suprelorin selber sind keine Nebenwirkungen bekannt. Die zu beobachtenden Veränderungen am Hund kommen durch die Änderung des Hormonspiegels zustande und entsprechen somit fast zu 100% denen einer chirurgischen Kastration. Kleine Unterschiede z.B. bei der Fellqualität sind jedoch trotzdem möglich. 

 

Das Verhalten unter vollem Suprelorin-Einfluss entspricht soweit bekannt vollständig dem eines kastrierten Hundes. Das Implantat ermöglich es somit zu beurteilen, wie der Hund sich nach einer chirurgischen Kastration verhalten wird und allfällige negative Verhaltensänderungen zu erkennen, bevor ein endgültiger Schritt getan wird. 

 

Ein Probelauf mit Suprelorin ist somit bei jedem Rüden der wegen Verhaltensproblemen kastriert wird empfehlenswert!

 

 

Androcur (die "Spritze")

 

Androcur wurde für die Anwendung beim Menschen entwickelt und ist für den Hund nicht registriert. Es wird dementsprechend beim Hund nur nach Erfahrungswerten eingesetzt. 

 

Besonders in der Langzeitanwendung kann Androcur beim Menschen zu vielen, teilweise schwerwiegenden Nebenwirkungen führen. Auch beim Hund kann ein Teil dieser Nebenwirkungen (z. B. Schädigung der Leber) auftreten. 

 

Da wir mit Suprelorin heute eine deutlich bessere Alternative haben, sollte Androcur zur chemischen Kastration beim Hund nicht mehr eingesetzt werden. Einzige Ausnahme ist hier - wie oben erwähnt - die Überbrückung des anfänglichen Testosteronanstiegs nach dem Setzen eines Suprelorin Implantates, hierfür genügt jedoch das kurzwirksame Präparat in Tablettenform. 

 

Depot-Präparat Androcur zur chemischen Kastration des Rüden. Heute gibt es bessere Methoden.
Depot-Präparat Androcur zur chemischen Kastration des Rüden. Heute gibt es bessere Methoden.
Das Suprelorin-Implantat ist etwa so gross wie ein Reiskorn und wird mit einer Nadel unter die Haut gesetzt.
Das Suprelorin-Implantat ist etwa so gross wie ein Reiskorn und wird mit einer Nadel unter die Haut gesetzt.

Chemische Kastration bei der Hündin

 

Zur chemischen Kastration bei der Hündin stehen verschiedene ältere und neuere Medikamente zur Verfügung. Wie beim Rüden lässt sich außerdem auch bei der Hündin Suprelorin verwenden.

 

Leider erhöhen aber alle bisher bekannten Möglichkeiten das Risiko für Erkrankungen des Geschlechtsapparates.

 

Die chemische Kastration der Hündin ist deshalb nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Chemische Kastration bei der Hündin

Frauen sind komplizierter, nach wie vor gibt es keine zufriedenstellende Methode zur

"probeweise" Kastration der Hündin. 

 

 

Annika Roost (Stand: 07.01.2017)


Du findest diesen Text interessant? Teile ihn auf Facebook, Twitter und co oder verlinke ihn auf deiner Homepage! Falls du den ganzen Text oder Auszüge davon auf andere Weise verwenden möchtest, beachte bitte, dass auch hier das Copyright gilt. Für Anfragen erreichst du mich hier.

Das könnte dich auch interessieren: 

 

Seminar "Kastration beim Hund"

Die Kastration ist zur Zeit unter Hundefreunden eines der meistdiskutierten Themen. Nicht ganz zu unrecht, haben doch neuere Forschungsarbeiten gezeigt, dass der Eingriff vermutlich mehr Nebenwirkungen hat als bisher bekannt war... weiterlesen